Die Europäischer Union sieht in der zunehmenden Online Desinformation eines der größten Bedrohungen für die Demokratien von heute  – und handelt nicht erst seit gestern.

Jeder kennt sie – die Fake News. Der Begriff wurde sicherlich nicht von Donald Trump erfunden, aber durch ihn und seinen unseriösen Wahlkampf, der sich vor allem durch den exzessiven Gebrauch von Social Media und der gezielten Verbreitung von falschen Informationen ausgezeichnet hat, nachhaltig geprägt und in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Fake News oder besser die Streuung ‚gezielter Desinformation‘ ist also eine bekannte Problematik, die immer mehr Menschen betrifft.

Wichtig ist also sich einmal anzuschauen, woher Menschen ihre Informationen beziehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Reuters Institute gemeinsam mit der University of Oxford jährlich in ihrem Digital News Report  http://www.digitalnewsreport.orgdas Mediennutzungsverhalten von Menschen weltweit untersucht. Dies Jahr wollte man vor allem wissen, durch welche Medien Menschen in Kontakt zu Neuigkeiten kommen, über welche Kanäle sie Nachrichten konsumieren und ob sie für entsprechende Angebote bezahlen. Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, welche Rolle die Social Media und Messenger-Dienste beim Verbreiten von Nachrichten einnehmen.

Social Media und Messenger-Dienste sind die meistgenutzen Newskanäle

In Europa wird vor allem der Facebook-Messenger als Informationsquelle genutzt. In Griechenland sind es genau ein Viertel der Befragten, die sich durch den Messenger informieren lassen. In Polen tun das mit 22 Prozent über ein Fünftel. Der Messenger Viber schließlich dient in erster Linie Griechen, Bulgaren und Kroaten als die erste Adresse für News. Mit Blick auf die jüngere Generation und deren Angewohnheiten in Sachen Nachrichtensuche wird klar, dass über die Altersgruppen von 18-35+ hinweg Facebook das soziale Medium ist, aus dem sie vorwiegend ihre News beziehen. Bei den Millennials sind es mit 48 Prozent etwas weniger und bei den Senioren in dieser Altersgruppe sogar nur 45 Prozent. YouTube als News-Quelle nutzen die Millennials mit 32 Prozent mehr als alle anderen Altersgruppen. Unangefochtener Favorit bei der Informationssuche bei den 18- bis 24-Jährigen ist jedoch Instagram. Hier sind gut 24 Prozent, also ein Viertel auf der Suche nach News unterwegs.

Nun mag man als vernunftbegabter Mensch meinen, dass der durchschnittlich mittelprächtig intelligente Menschen bei der Nutzung dieser Quellen in der Lage ist falsch von richtig zu unterscheiden. Doch das ist gerade nicht der Fall und so muss klar sein, dass sich am Ende eben auch Desinformationen schnell, weit und unbemerkt von unabhängigen Medien, Faktenchecks und anderen Meinungen verbreiten können. In der Konsequenz wird so die öffentliche Meinung beeinflußt, Spaltungen in der Gesellschaft geschaffen und im schlimmsten Fall das Vertrauen in öffentliche Institutionen und Wahlsysteme untergraben.

Gemeinsam in Europa gegen Desinformation

Die EU ist in Sachen Desinformation schon seit einiger Zeit mit einigen konkreten Maßnahmen unterwegs. Seit 2015 werden unter dem Hashtag #EUvsDisinfo Aufklärungskampagnen gefahren, die sich unmittelbar vorwiegend an Social Media Nutzer richten. Mit dem „Disinformation Review“ hat die Kampagne in den vier Jahren ihres Bestehens mehr als 140 Newsletter mit mehr als 5.000 Fällen von Desinformationsmeldungen in 18 verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Der Report wird regelmäßig von verschiedenen Regierungen, Ministerien, Staatsbehörden, Geheimdiensten, Forschern, Think Tanks und Journalisten in ganz Europa und darüber hinaus verwendet und angeboten. Zum Maßnahmenkatalog gehört u.a. auch die Einführung und Nutzung des Rapid Alert Systems das die Verbreitung von Fake News über die Grenzen Europas hinweg kontrolliert und es nationalen Institutionen einfacher machen soll auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten und Mythenbildung und den Fake News entgegenzutreten.

Auch die in Sachen Social Media führenden Internetunternehmen wie Google, Mozilla, Facebook, Twitter und Microsoft sind mit im EU-Boot und haben im Rahmen der Initiative einen freiwilligen EU-weiten Verhaltenskodex für Desinformationen unterzeichnet. Damit haben sich die Plattformen verpflichtet, ihre eigenen Richtlinien und Gemeinschaftsrichtlinien strikter anzuwenden, ihre Plattformen von gefälschten und Bot-Accounts zu befreien und klarer zu machen, wann man eine politische Werbung sieht und wer dafür bezahlt.

Medienkompetenz ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort: Um nicht Opfer von Desinformation zu werden, hat die EU Programme ins Leben gerufen, die Bürgerinnern und Bürger dazu anhalten kritisch darüber nachzudenken, was sie lesen oder hören. Die EU hat hier zum Beispiel die jährliche Europäische Woche der Medienkompetenz eingerichtet und mehr als 320 Veranstaltungen zur Förderung der Medienkompetenz in ganz Europa initiiert.

Last but not least unterstützt die EU ausdrücklich Qualitätsjournalismus – also eigentlich die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Medien. Da die Arbeit unabhängiger Medien von wesentlicher Bedeutung für die Schaffung einer freien und offenen öffentlichen Debatte ist, die für eine gesunde Demokratie notwendig ist, müssen unabhängige Medien und investigativer Journalismus unterstützt werden, um eine qualitativ hochwertige und sachliche Berichterstattung zu garantieren, die Fake News den Nährboden nimmt.

Die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Medien ist hierbei zunehmend das Problem. Wenn das liebe Geld Motor und Antrieb für Berichterstattung ist, dann dürfte jedem klar sein was die unmittelbare Folge ist: Geld macht Meinung. Nicht neu, aber angesichts der Möglichkeiten, die Medien und Kommunikatoren heute in der digitalen Kommunikation gegeben sind, zunehmend bedrohlich. Da lobe ich mir doch die gute alte journalistische Hoheit und die fälschlicherweise als Arroganz bezeichnete Eigenschaft mancher Medien und Journalisten, Geld, Fakten und Meinung noch feinsäuberlich zu trennen.