Die EU-Mitgliedsstaaten haben gestern final die sogenannte CSR-Berichtspflicht beschlossen und damit neue Berichtspflichten für große börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten festgelegt. Die Richtlinie soll noch in diesem Jahr in Kraft treten, um in der Folge innerhalb der nächsten zwei Jahre auch in unser nationales Rechtssystem einzufließen. Zukünftig müssen dann große Unternehmen „…auf wesentliche nichtfinanzielle Aspekte ihrer Unternehmenstätigkeit eingehen“ im Klartext: CSR-Ziele formulieren, CSR-Strategien und CSR-Kennzahlen definieren und alles in detaillierten Lageberichten veröffentlichen.

So viel zum Willen der EU. Wie sieht es aber in Sachen Corporate Social Responsibility  heute in der (Unternehmens-) Realität aus? Es scheint, dass selbst große Firmen die Relevanz und die Notwendigkeit von CSR-Maßnahmen und deren offensiver Kommunikation immer noch total unterschätzen. Schaut man sich entsprechende CSR-Rankings an, so wird schnell klar, dass CSR selbst in großen Unternehmen wie Haribo, der Media-Saturn-Holding oder der Hornbach Holding AG keine Rolle spielt. Weitere namhafte in Deutschland ansässige Unternehmen – Deichmann, Puma und Dr. Oetker (um nur einige zu nennen) machen zwar Angaben zu ihren Aktivitäten in Sachen CSR, doch es fällt auf, dass hier alles pseudomäßig fundiert und „schwammig“ daherkommt. Was fehlt, sind eben diese jetzt von der EU eingeforderten klaren Zielformulierungen für nachhaltiges Handeln, ebenso wie konkrete Strategien, Maßnahmen und wirksame Kennzahlen zu deren Evaluierung. Vieles ist schlecht kommuniziert und erscheint als getarntes Sponsoring oder noch schlimmer – als pures „Greenwashing“.

Dabei spielt das Thema Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle im Alltag der Menschen. Viele Skandale der letzten Jahre, egal ob ökologischer oder gesellschaftspolitischer Natur, ob Naturkatastrophen oder aufgedeckte Korruptionsfälle, führten beim Konsumenten zu einer veränderten Wahrnehmung und Haltung gegenüber Unternehmen. Der (potenzielle) Kunde erwartet heute zunehmend detaillierte und transparente Informationen darüber, wie Firmen in ihrem spezifischen Kontext mit dem Thema CSR umgehen und ob sie Aktionen ehrlich, kontinuierlich strategisch, glaubwürdig und verantwortungsbewusst in Angriff nehmen.

Die Lösung hieße hier für die Unternehmen, vernünftig, effizient und nachhaltig zu kommunizieren. Doch die Konzerne ignorieren diesen Bedarf und verpassen es schlichtweg, ihre Stakeholder durch einen sinnvollen Ausbau ihrer CSR-Kommunikation, über ihr gesellschaftliches, ökologisches und sozialen Engagements umfassend zu informieren und so Image aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen – nicht nur über die Website, sondern zum Beispiel auch über Social-Media-Kanäle. Auch mittelständische und kleinere Unternehmen sollten den Anschluss hier nicht verpassen. Oft ist es keine Frage großer Budgets und personeller Ressourcen, ob und was man in Sachen Corporate Social Responsibility verantworten kann. Es erfordert lediglich den Willen, gute nachhaltige Konzepte, passende Strategien und Maßnahmen und die Erkenntnis, dass Menschen, die sich für ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen interessieren (sollen), ernst genommen werden wollen. CSR ist in diesem Sinne keine Verpflichtung, sondern eine Chance – für jedes Unternehmen.